Jean-Philippe Rüegg Jean-Philippe Rüegg

Shinrin-yoku Teil 2: Eine Anleitung in zehn Schritten

1. Schlendern

Gehe langsam und gemütlich spazieren. Streckenverlauf, Ziel und Dauer sind nicht festgelegt.

2. Rasten

Halte inne, verausgabe dich nicht. Lege rechtzeitig Pausen ein. Lass die Seele nachkommen.

3. Wahrnehmen

Erlebe, was dich umgibt, aber ohne Leistungsdruck. Staune, geniesse die Formen, Farben, Gerüche und Geräusche des Waldes. Leg dich ins Laub, sonne dich. Berühre eine Rinde, lehne dich an einen Stamm, setze dich auf einen Baumstumpf. Probiere junge Blätter, die du kennst. Entdeckst du einen Bach, schau aufs Wasser, kühle deine Füsse.

4. Ausprobieren

Gehe mit offenem, wachem Blick, entdecke Bekanntes neu. Lege ein Mandala, flechte Gräser, sammle Steine, Eicheln oder Kastanien, suche dir einen schönen Spazierstock.

5. Sanfte Bewegung 

Balanciere über Stämme, hüpfe über Stümpfe. Wenn du kannst, übe Yoga – der Körper bekommt so mehr Sauerstoff.

6. Achtsamkeit

Sei mit deiner Aufmerksamkeit im Moment, staune vorbehaltlos, nimm Eindrücke wertfrei wahr.

7. Augenentspannung

Schau in die Ferne: Geniesse das Grün des Waldes, entlaste deine monitormüden Augen.

8. Atemübungen

Setze dich an einen schönen Platz, und beobachte deinen Atem, lass ihn kommen und gehen.

9. Meditation

Sammle dich, beruhige deinen Geist, dann findest du zur Ruhe. Anfänger lassen sich anleiten.

10. Stille

Schweige, träume und geniesse das Alleinsein.

Quelle: ZEIT Wissen Nr. 3/2018, 17. April 2018

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Shinrin-yoku: Die japanische Kunst des Waldbadens

Wo es würzig riecht, das Licht milde schimmert, die Luft klar ist, sich die Wipfel im Wind wiegen und der Boden unter den Füssen federt. Nur schon die Beschreibung eines schönen Waldes weckt bei uns positive Assoziationen. In den Wald eintauchen – darauf basiert die japanische Tradition des Shinrin-yoku, des Wald(luft)badens.

Qing Li forscht an der Nippon Medical School und ist eine Koryphäe der Waldmedizin. Sein Ziel: die Waldmedizin zu einer international anerkannten Wissenschaft zu machen. Der Professor praktiziert mit seinen Studenten Shinrin-yoku und gibt folgende Anleitung: "Schau dir die Farben der Bäume an, atme tief ein, hör die Blätter rauschen. Wenn du müde bist, darfst du dich ausruhen, wo und wann du willst. Wenn du durstig bist, darfst du etwas trinken, wo und wann du willst. Dreckige Hände machen dich gesund. Waldgänge klären deine Gedanken."

Das japanische Landwirtschaftsministerium führte Shinrin-yoku schon Anfang der achtziger Jahre ein und förderte ein millionenschweres Forschungsprogramm, um die medizinische Wirkung des Waldbadens nachzuweisen. Vor zwölf Jahren eröffnete dann das erste Zentrum für "Waldtherapie", und japanische Universitäten bieten inzwischen eine fachärztliche Spezialisierung in "Waldmedizin" an. In mehreren Studien hat Li gemeinsam mit japanischen und koreanischen Kollegen gezeigt, dass schon ein kurzer entspannter Spaziergang durch den Wald einen Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Im Wald steige die Zahl der Killerzellen und das Immunsystem verbessere sich, schreiben die Wissenschaftler. Blutdruck, Kortisol und Puls würden sinken – schon nach einer Stunde im Wald.

Eine kurze Shinrin-yoku-Anleitung gibt es im nächsten Blog-Beitrag.

Quelle: ZEIT Wissen Nr. 3/2018, 17. April 2018

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Der entspannendste Song der Welt

nature

Wer schon in unserer Gemeinschaftspraxis war, hat bestimmt bemerkt, dass wir im Wartebereich gerne mit Düften und Klängen arbeiten, um eine positive und entspannende Atmosphäre zu kreieren. In diesem Beitrag geht es um Klänge, spezifisch um ein Lied, das zur Zeit häufig bei uns zu hören ist. Weshalb gerade dieses Lied?

Die britische Band Marconi Union hat zusammen mit Klangtherapeuten der British Academy of Sound Therapy daran gearbeitet, anhand von wissenschaftlichen Theorien den perfekten entspannenden Song zu kreieren. Das ist ihnen gemäss einer Studie von Mindlab International auch gelungen. 

Das Lied mit dem Titel „Weightless“ beginnt mit einem Tempo von 60 Schlägen pro Minute und verlangsamt sich mit der Zeit auf 50. Beim Hören passt sich die Herzfrequenz dem Tempo an. Gleichzeitig senkt sich der Blutdruck. Die Melodie wiederholt sich nie – dadurch kann man als Zuhörer besser entspannen und versucht nicht, die Melodie unbewusst vorauszuahnen. 

Gemäss Dr. Davis Lewis-Hodgson von Mindlab International ist die Wirkung dieses Liedes auf die Probanden ausserordentlich stark, verglichen mit der Wirkung von jedem anderen Lied, das untersucht wurde. „Weightless“ führte zu einer 65 prozentigen Reduktion von Angstempfinden und Unruhe bei den Studienteilnehmern. Hirnscans haben gezeigt, dass Musik einen Einfluss auf tiefliegende Hirnregionen hat; neben den Regionen, die für die Verarbeitung von Klängen zuständig sind, reagieren auch solche, die mit Emotionen assoziiert werden. 

Auf diesem Gebiet bleibt noch vieles zu erforschen. Es ist aber unbestritten, dass Musik einen Einfluss auf die Psyche hat – sei es um die Konzentration zu fördern oder, wie in diesem Fall, um sich zu entspannen. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für „Weightless“. Das Lied dauert 8 Minuten, die man für den gewünschten Effekt voll ausnutzen soll. Man findet ebenfalls zehnstündige Versionen davon. Die Forscher warnen davor, das Lied beim Autofahren zu hören, da es bei machen Leuten einschläfernd wirken kann. Wir wünschen gute Entspannung mit „Weightless“. 

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Das Herz in der Chinesischen Medizin

Das Herz nimmt in der Chinesischen Medizin einen besonderen Platz ein: es wird als der Kaiser unter den Organen betrachtet. Seine Funktion ist es einerseits, Blut durch den Körper zu pumpen und das Leben zu erhalten. Zusätzlich betrachtet man das Herz als die Residenz des Geistes „Shen“. Shen spiegelt sich in der Präsenz des Menschen wieder, speziell in den Augen, und ist verantwortlich für unser Bewusstsein, Denken, Wahrnehmen und Gefühlsleben. Deshalb spielt das Herz eine zentrale Rolle bei der Behandlung von psychosomatischen und psychischen Problemen. 

 

Der siebte Punkt auf dem Herz-Meridian ist einer der am häufigsten benutzten Akupunktur-Punkte. Sein Name „Shenmen“ bedeutet Tor des Geistes. Er ist einer der besten Punkte, um den Geist zu beruhigen und zu harmonisieren. Zum Wirkungsspektrum von Herz 7 zählen häufig Folgesymptome unserer leistungsorientierten Gesellschaft wie Schlafstörungen, Besorgtheit, Ängste oder Ruhelosigkeit. Der Punkt befindet sich auf Höhe der Handgelenksfalte (beim „Os pisiforme“).

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BBC Sendung über Akupunktur

„Damit Akupunktur wirkt, muss man daran glauben“ oder „Das ist doch alles nur Placebo“: diese Aussagen hört man häufig wenn es um das Thema Akupunktur geht. Doch ist das wirklich so? Und was sagt die Wissenschaft dazu? In einer BBC Sendung haben sich Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten diesem Thema gewidmet - mit spannenden Resultaten, speziell wenn es um die Behandlung von Schmerzen geht. Dank moderner bildgebender Verfahren ist es heute möglich, sich ein Bild davon zu machen, was im Gehirn passiert wenn eine Nadel gesetzt wird und, was besonders interessant ist, was die Stimulierung der Nadel bewirkt. Lernen Sie in dieser Sendung mehr über die Hintergründe dieser Methode: von den Anfängen vor mehreren Tausend Jahren, über Operationen am offenen Herzen mit Akupunktur-Anästhesie bis hin zum Fazit einer Gruppe von unvoreingenommenen Wissenschaftlern. Die Sendung ist in Englisch.  



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