Trend-Organ Darm: Was unserem Verdauungstrakt wirklich guttut
Jean-Philippe Rüegg
Die Darmgesundheit erlebt seit Jahren einen Boom – in Podcasts, auf Social Media und in Gesundheitsratgebern ist sie Dauerthema. Zu Recht! Doch was raten die Spezialist:innen selbst? Elf führende Gastroenterologinnen und Gastroenterologen aus Deutschland und Österreich teilen ihre wichtigsten Empfehlungen:
Vielfalt statt Monokultur
Ein gesunder Darm gleicht einem Mischwald, nicht einer Monokultur. Eine bunte, abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchten und fermentierten Produkten wie Joghurt oder Sauerkraut stärkt die Darmflora. Die mediterrane Küche gilt als Vorbild.
Prof. Tanja Kühbacher, LudwigshafenBallaststoffe sind das Fundament
Ballaststoffe aus Vollkorn, Gemüse, Bohnen und Kartoffeln halten den Darm aktiv und fördern die Bildung kurzkettiger Fettsäuren wie Buttersäure, die unsere Immunabwehr unterstützen.
Prof. Herbert Tilg, InnsbruckVorsorge nicht vergessen
Ab dem 50. Lebensjahr – bei familiärer Vorbelastung früher – sollte eine Darmspiegelung zur Routine gehören. Sie rettet Leben.
Prof. Patrick Michl, Heidelberg
Prof. Tom Lüdde, DüsseldorfNatürlich essen – wie die Grosseltern
Verarbeitete Lebensmittel mit vielen Zusatzstoffen belasten den Darm. Besser: frisch kochen, mit natürlichen Zutaten.
Dr. Katrin Eberle, WeimarKeine Angst vor Essen
Modediäten oder pauschaler Glutenverzicht können die Verdauung eher schwächen. Vielfalt und Ausgewogenheit sind der Schlüssel.
Prof. Yurdagül Zopf, ErlangenBewegung – aber in Balance
Regelmässiger Sport stärkt das Verdauungssystem und schützt vor Krebs. Übermässiger Leistungsdruck oder extreme Belastung hingegen können den Darm stressen.
Prof. Patrick Michl / Prof. Christoph Stein-Thoeringer, TübingenVorsicht vor Social-Media-Trends
Der Darm braucht keine Detox-Kuren oder riskante Challenges. Er reguliert sich selbst, wenn wir ihn mit natürlichen Lebensmitteln und Ruhe unterstützen.
Prof. Martina Müller-Schilling, RegensburgNahrungsergänzungsmittel kritisch prüfen
Blind eingenommene Supplements können die Darmschleimhaut schädigen. Nur bei nachgewiesenem Mangel ist supplementieren sinnvoll.
Prof. Christoph Gasche, WienPflanzen zählen
30 verschiedene Pflanzen pro Woche – das klingt viel, fördert aber nachweislich die mikrobielle Vielfalt. Jede Farbe zählt.
Dr. Johannes Janschek, DresdenAlkohol reduzieren und den Eiweiss-Hype bremsen
Zu viel Alkohol zerstört schützende Darmbakterien. Auch hochverarbeitete Proteinprodukte reizen die Schleimhaut. Besser: natürliche Eiweissquellen und massvoller Genuss.
Prof. Herbert Tilg / Prof. Yurdagül ZopfStress reduzieren
Dauerstress verändert das Mikrobiom und kann Entzündungen begünstigen. Wer auf einen ausgeglichenen Lebensstil achtet und auf innere Ruhe, der beeinflusst über die Darm-Hirn-Achse die Verdauung positiv.
Prof. Tom Lüdde, Düsseldorf
Mein persönlicher Tipp: Mit Akupunktur dem Darm Gutes tun
Mit Akupunktur lässt sich das Verdauungssystem regulieren, die Darmtätigkeit harmonisieren und das vegetative Nervensystem beruhigen. So kann der Körper wieder seine natürliche Balance finden – eine Voraussetzung für gesunde Verdauung, starke Abwehrkräfte und innere Ruhe.
Quelle: Die Zeit, Ausgabe 20.10.25